Kunst
Spektakel
Revolution
K S R
Material zum Surrealismus

Die diesjährige KSR-Veranstaltungsreihe beschäftigt sich mit Surrealismus und Gesellschaftskritik. Die Reihe behandelt die Entstehungsbedingungen der Psychoanalyse, Surrealismus und Antifaschismus im Frankreich der 1930er Jahre, die Surrealismus-Rezeption von Elisabeth Lenk und stellt eine feministische Kritik des Surrealismus zur Diskussion. Da der Surrealismus innerhalb von Kunst, Spektakel & Revolution bereits Thema gewesen ist, findet innerhalb der diesjährigen Reihe keine einführende Veranstaltung zum Surrealismus statt. Wenn ihr euch im Zuge der Reihe einführend oder vertiefend mit dem Surrealismus beschäftigen wollt, sind hier Tipps zum Lesen und Hören zusammen gestellt.

  • 2009, im Rahmen der ersten KSR-Reihe, hat Alexander Emanuely einen Vortrag über den Surrealismus als revolutionäre Bewegung gehalten. Der Mitschnitt des Vortrags kann hier nachgehört werden. Auf Basis dieses Vortrags hat Emanuely außerdem einen Text in der ersten KSR-Broschur veröffentlicht. Im zweiten Band seines Essays Avantgarde behandelt Alexander Emanuely ebenfalls den Surrealismus - insbesondere die surrealistischen Aktivitäten im Angesichts von Faschismus und Zweitem Weltkrieg.

  • Ein Klassiker ist die Geschichte des Surrealismus von Maurice Nadeau. Das Buch stellt vor allem die theoretischen Debatten und Verwerfungen innerhalb der Gruppe um André Breton dar und geht dabei auf einzelne surrealistische Werke und die Texte der La Révolution surréaliste ein. Das Buch ist antiquarisch zu beziehen. Die Ausgaben der surrealistischen Zeitschrift selbst sind kürzlich bei Textem erstmals in deutscher Übersetzung in einer biliophilen Ausgabe erschienen. Ein ausführliches Gespräch mit den Herausgeber:innen und Übersetzer:innen wurde in Ittys Radioséance gesendet: Teil 1 | Teil 2. Ungefähr auf dem Stand von Nadeaus Geschichte des Surrealismus ist die "Lange Nacht" zu André Breton von Manfred Bauschulte: André Breton und der Surrealismus - „Die Suche nach dem Gold der Zeit“. Darin wird insbesondere auf "Nadja" von André Breton sowie den surrealistischen Bezug auf die Liebe und zu den Frauen eingegangen.

  • In der neunten Printausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution hat Chris Weinhold ein ausführliches Essay veröffentlicht, in dem der Surrealismus kritisch gewürdigt wird. Der Text kann hier nun online gelesen werden. Außerdem war Chris Weinhold in einer Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge zu Gast und hat dort über den Surrealismus gesprochen - die Sendung findet sich hier zum Nachhören. Ebenfalls in der KSR N°9 ist ein Text von Don LaCoss über surrealistische Aktivitäten im Jahr 1968 in Prag, Paris und Chicago erschienen, der hier gelesen werden kann.

  • Eine wichtige Kritik des Surrealismus hat Raoul Vaneigem, Mitglied der Situationistischen Internationale, im Jahr 1977 veröffentlicht, damals unter dem Pseudonym J.-F. Dupuis: Der radioaktive Kadaver - Eine Geschichte des Surrealismus. Das Buch lotet die Grenzen der surrealistischen Revolution aus, die dem Autor zufolge notwendigerweise auf das Gebiet der Kultur beschränkt bleiben musste. Das Buch ist in deutscher Übersetzung seinerzeit bei Edition Nautilus erschienen, inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich, aber im Volltext bei archive.org verfügbar: hier.

  • Eine weitere wichtige Kritik des Surrealismus, vor allem im Bezug auf das Geschlechterverhältnis und die Sexualität, stammt von Xavière Gauthier: Surrealismus und Sexualität - Inszenierung der Weiblichkeit (1971). Das Buch beschränkt sich nicht darauf, festzustellen, dass die surrealistische Gruppe vorwiegend aus Männern bestand, sondern dringt in den Kern der Sache vor, indem es die surrealistischen Bilder und Texte selbst analysiert: "Auch in den surrealistischen Produktionen erscheint sie [die Frau] in den altbekannten vier Gestalten: als pflanzen-gleiches, naiv-unschuldiges Mädchen; als nährende, verstehend-verzeihende Mutter; als gefährlicher, tierhafter Vamp; als idealisierte, unerreichbare Göttin. Selbstverständlich prägen diese Imaginationen des Weiblichen auch die Vorstellungen, die sich der Mann vom Mann macht, insbesondere in der homosexuellen Beziehung." Das Buch ist antiquarisch erhältlich. In seinem Vortrag am 07.12.2026 wird sich Daniel Gönitzer auf dieses Buch beziehen.

  • Von großer Bedeutung für die Rezeption des Surrealismus im deutschsprachigen Raum waren die Arbeiten von Elisabeth Lenk (1937-2022) - u.a. mit ihrer Dissertation über André Breton: Der springende Narziss. André Bretons poetischer Materialismus (1971). Elisabeth Lenks Antrieb ist gut mit der Frage zusammen gefasst, "ob nicht der Surrealismus genau die Praxis war und noch immer ist, die zur Kritischen Theorie paßt, (...) und ob nicht umgekehrt die Kritische Theorie eben die Theorie war und noch ist, auf die hin die surrealistische Praxis angelegt war". Dies führte sie 1994 in einem Vortrag aus, der in dem Sammelband Vernunft und Subversion - Die Erbschaft von Surrealismus und Kritischer Theorie (herausgegeben von Dietrich Hoß und Heinz Steinert im Verlaf Westfälisches Dampfboot, 1996) dokumentiert ist. Der Sammelband ist online bei archive.org verfügbar. Die Kritischen Schriften von Elisabeth Lenk sind gerade in diesem Jahr bei Matthes & Seitz erschienen. In der 22. Ausgabe der Zeitschrift Kultur & Gespenster ist Elisabeth Lenks Text "Eine neue Moral? Die Sade-Rezeption in der Kritischen Theorie und im Surrealismus" wieder abgedruckt worden.